Chemnitz blickt auf eine Geschichte tiefgreifender Umbrüche und wechselnder Zukunftsbilder zurück. Während der Industrialisierung galt die Stadt als „sächsisches Manchester“, ein Zentrum technischer Innovation und industrieller Produktion. Kulturell blieb sie jedoch lange im Schatten von Dresden und Leipzig. Mit der Umbenennung in Karl-Marx-Stadt verfolgte die DDR das Ziel, Chemnitz als sozialistische Vorzeigestadt zu etablieren und das Stadtbild grundlegend zu verändern. Nach der Wiedervereinigung führten der Zusammenbruch zentraler Industriezweige, Abwanderung und Arbeitslosigkeit zu erheblichen sozialen Spannungen. Neue Rechte profitierten von der Unsicherheit. Die positiven Entwicklungen im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich der 2000er traten insbesondere nach den rechten Ausschreitungen von 2018 in der öffentlichen Wahrnehmung häufig in den Hintergrund. 35 Jahre nach der Friedlichen Revolution und im Zuge der Kulturhauptstadt Europas 2025 untersucht Martin Albermann anhand ruhiger Portraits und situativer Beobachtungen eine Stadt zwischen Aufbruch und Stillstand und hinterfragt vereinfachende Zuschreibungen in der überregionalen Berichterstattung.
Martin Albermann
Bachelor Visual Journalism and Documentary Photography
Erstprüfer: Prof. Michael Trippel
Zweitprüfer: Florian Müller